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Machbarkeitsprüfung · für Jan · 27.08.2026

Sprachassistent auf eigener Hardware

Danke für die drei Links, die waren ein guter Startpunkt. Ich habe die Kette einmal durchgeprüft: Hardware, Weckwort, Server, Latenz, Recht. Oben steht das Ergebnis auf einen Blick, darunter die Details zum Aufklappen, damit die Seite lesbar bleibt.

Kontext: Wir bauen mit AllWispr ein Diktier-Werkzeug für Windows. Transkription, Nachbearbeitung mit Sprachmodellen und Branchenprofile laufen schon. Was fehlt, ist ein Gerät, das ohne Tastatur zuhört. Die Verarbeitung soll auf unserem eigenen Server bleiben, nicht bei Amazon oder Google.

Kurzantwort

Vier Sätze, dann die Zahlen.

Ja, das geht

Das Kit kostet 22,56 Euro bei DigiKey Österreich, 48 Stunden Lieferzeit. Fertige Firmware gibt es quelloffen, mit dokumentiertem Protokoll. Der Server-Endpunkt ist eine Konfigurationszeile.

Der Chip kann genau das Richtige

Ein ESP32-S3 erkennt ein Weckwort und streamt Audio. Transkribieren kann er nicht. Genau deshalb passt er, denn die Intelligenz gehört ohnehin auf den Server.

Ein deutsches Weckwort gibt es noch nicht

Espressif trainiert Weckwörter gratis, aber Deutsch steht auf der Warteliste ohne Termin. Englisch ausgesprochen geht sofort und kostet nichts.

Ein Mikrofon reicht nicht für Alexa-Gefühl

Die vorgeschlagenen Kits haben ein einziges Mikrofon ohne Echounterdrückung. Das ist Nahfeld, gute anderthalb Meter. Für quer durchs Zimmer braucht es ein Array.

Die Zahlen auf einen Blick

Alles darunter im Detail zum Aufklappen.

Hardware

  • K147 (dein Vorschlag): 22,56 Euro brutto bei DigiKey AT, 41 Stück lagernd, 48 Stunden. ESP32-S3, 8 MB PSRAM, Display, Mikrofon und Lautsprecher dabei.
  • Voice Pyramid: 24,50 USD. Mit Echounterdrückung, aber Controller nicht dabei und kein EU-Händler gefunden.
  • Home Assistant Voice PE: rund 59 Euro. Das einzige Gerät dieser Klasse mit zwei Fernfeld-Mikrofonen und echtem Signalprozessor. Wenn der Alexa-Vergleich standhalten soll, führt daran kaum ein Weg vorbei.

Server, hier liegt das Geld

  • Agent, Transkription und Sprachausgabe laufen auf CPU. Das Sprachmodell braucht eine GPU, sonst dauert eine Antwort 5 bis 10 statt 1,5 bis 3 Sekunden.
  • Hetzner GEX44: 234 Euro netto im Monat plus 114 Euro Einrichtung, 20 GB VRAM. Günstigster Dauerbetrieb in Europa. Achtung: Vergleichsportale nennen noch 184 Euro, das ist veraltet.
  • Der Umschlagpunkt liegt bei rund 300 Stunden im Monat. Darunter lohnt stundenweise Miete, darüber der Festpreis.

Zum Selberbauen

  • Die Hürde ist nicht der Preis, sondern die Toleranz: im Array ±1 dB Empfindlichkeit und maximal 10° Phasendifferenz. Alle Mikrofone aus derselben Charge.
  • Die Hardware kann acht Mikrofone, Espressifs Software verarbeitet zwei. Mehr bringt ohne eigenen Beamformer nichts.
  • Fertige Platinen: JLCPCB, 5 Stück, 4 Lagen, rund 33 USD, etwa 7 Tage.
  • Offenes Referenzdesign zum Abschauen: Home Assistant Voice PE, KiCad unter CERN-OHL-P v2, plus Gehäuse-STL.

Wie ich vorgehen würde

Absteigend nach Erkenntnisgewinn pro investierter Stunde.

  • 1. Englisches Weckwort beantragen. Kostet nichts, läuft nebenher, dauert aber.
  • 2. Das Kit bestellen, 22,56 Euro bei DigiKey Österreich. Unter 75 Euro Warenwert fallen 25 Euro Versand an, also gleich mehrere Teile in eine Bestellung. Versand per UPS oder FedEx wählen, dann ist der Zoll erledigt.
  • 3. Fertige Firmware flashen und gegen einen Testserver laufen lassen. Damit steht die Kette einmal komplett und wir wissen, was sie wirklich kann.
  • 4. Erst danach entscheiden, ob Fernfeld gebraucht wird. Wenn ja, kommt ein Gerät mit Mikrofon-Array dazu.
  • 5. Deutsches Weckwort angehen, sobald klar ist, dass sich der Aufwand lohnt.

Details zum Aufklappen

Nichts davon ist Pflichtlektüre. Es steht hier, damit es nicht verloren geht, wenn du später nachschlägst.

Die drei Kits im VergleichWas jedes kann und wo der Haken sitzt

K147 · AtomS3R AI Chatbot Kit

22,56 € brutto bei DigiKey AT, 41 Stück lagernd.
ESP32-S3-PICO-1, 240 MHz, 8 MB Flash, 8 MB PSRAM, Display 128×128, Mikrofon MSM381A3729H9BPC an einem ES8311-Codec, 1-W-Lautsprecher.
Haken: ein Mikrofon, keine Echounterdrückung, also Nahfeld.

A167 · Voice Pyramid

24,50 USD, kein EU-Festland-Händler gefunden.
Fertiges Tischgehäuse mit Echounterdrückung (ES7210), 28 RGB-LEDs, zwei Touch-Slider.
Haken: Controller nicht dabei, ebenfalls nur ein Mikrofon, Doku laut Kundenrezension veraltet.

K147-CAM

25,70 € brutto bei DigiKey AT.
Wie K147, aber Kamera (GC0308, 0,3 MP) statt Display.
Haken: kein Display. Für Sprache irrelevant, für "was halte ich hier in der Hand" interessant.

Gemeinsam

Alle drei haben keinen Akku und laufen über USB-C. Für ein Tischgerät egal.
Derselbe Chip in allen Kits, das Gehirn bleibt also gleich, wie du geschrieben hast.

Was ich ergänzen würde

  • Home Assistant Voice PE, rund 59 Euro. Zwei Fernfeld-Mikrofone plus XMOS XU316 für Echounterdrückung, Beamforming und Rauschunterdrückung. Dazu ein Schalter, der die Mikrofon-Stromversorgung physisch trennt.
  • Seeed ReSpeaker Lite, ab 24,90 USD. Ebenfalls Zwei-Mikrofon-Array mit demselben XMOS-Chip, aber als Bastelplatine.
Was der Chip kann und was nichtBestimmt die ganze Architektur

Weckwort: läuft auf dem Gerät

Espressifs WakeNet braucht 324 KB PSRAM und 3 bis 10 ms je Audioblock. Gemessene Weckrate rund 98 Prozent auf einen Meter, Fehlauslösung etwa einmal in zwölf Stunden. Bei 8 MB PSRAM ist Speicher nicht der Engpass.

Transkription: geht nicht

Espressifs lokale Erkennung heißt MultiNet und kann bis zu 200 feste Kommandos. Freies Diktat ist damit ausgeschlossen. Whisper oder Parakeet laufen dort um Größenordnungen nicht.

Auf dem Gerät, 23 Euro

Weckwort erkennen. Audio als Opus streamen. Antwort abspielen.

Auf dem Server

Transkription (Whisper oder Parakeet). Sprachmodell. Sprachausgabe (Piper).

Zwei Wege zur Softwarexiaozhi gegen ESPHome, plus das Weckwort-Problem

Weg A: xiaozhi-esp32

Technisch der elegantere. Quelloffene Firmware für über 70 Boards, dokumentiertes Protokoll: eine WebSocket-Vollduplex-Verbindung, Opus-Audio, 16 kHz, 60 ms Frames. Der Server-Endpunkt ist Konfiguration. Dazu der passende Server als Vorlage mit austauschbaren Bausteinen.

Haken: Betriebsdokumentation ausschließlich auf Chinesisch, inklusive der Kommentare in der Konfigurationsdatei. Und kein eingebauter lokaler Transkriptions-Baustein kann Deutsch. Einen eigenen Whisper-Server kann man eintragen, das steht aber nirgends dokumentiert.

Weg B: ESPHome plus Home Assistant

Praktisch der kürzere. Der ESP32 ist hier ein offiziell unterstützter Client, man schreibt YAML statt C. Weckwort lokal über microWakeWord, und dafür kann man ein eigenes deutsches Weckwort trainieren. Piper hat acht deutsche Stimmen. Doku auf Englisch.

Haken: Setzt eine laufende Home-Assistant-Instanz voraus. Als schneller Prototyp hervorragend, als Produktfundament eine Sackgasse, weil jeder Endkunde eine eigene bräuchte.

Mein Vorschlag zur Wegwahl

  • Zum Ausprobieren Weg B, weil deutsche Bausteine fertig sind und die Doku lesbar ist.
  • Für ein eigenes Produkt später Weg A, weil das Protokoll sauber und der Server frei wählbar ist.
  • Beide Wege nutzen dieselbe Hardware. Die Entscheidung ist also nicht teuer und muss nicht heute fallen.

Das Weckwort-Problem im Detail

  • Englisch bei Espressif: 0 Euro, Anfrage per GitHub-Issue. Geht sofort, Modelle wie "Hey Kira" oder "Hi Andy" stehen in der Liste. Mein Startpunkt.
  • microWakeWord selbst trainieren: 0 Euro, Tage bis Wochen. Deutsch möglich. Die Autoren warnen selbst, dass das mitgelieferte Notebook meist unbrauchbare Modelle liefert.
  • CustomESP-SR: 1.000 USD je Modell, rund 10 Werktage. Der kalkulierbare Weg. Ob dort wirklich Deutsch angeboten wird, konnte ich nicht belegen.
  • Espressif-Sonderanfertigung: Preis nicht veröffentlicht. Braucht 20.000 Aufnahmen von mindestens 500 Sprechern, davon 100 Kinder. Für uns unrealistisch.
Das Testsetup: unser ServerWas schon steht, was es kostet und wann es eng wird

Die eine Regel, aus der alles folgt

Sie entscheidet, was ein Server kosten muss.

Alles außer dem Sprachmodell läuft auf CPU. Nur das Sprachmodell braucht eine GPU. Agent, Transkription und Sprachausgabe kommen mit einer günstigen Maschine aus. Erst ein eigenes Modell kostet richtig Geld.

  • Agent im Leerlauf: rund 1 GB. Mit Browser-Automation 2 bis 4 GB, weil Chromium allein 2 GB verlangt.
  • Transkription (faster-whisper): tiny und base rund 1 GB, small rund 2 GB, medium rund 5 GB.
  • Sprachausgabe (Piper): zweistellige MB je Stimme, läuft auf einem Raspberry Pi in Echtzeit. Nicht der Engpass.
  • Sprachmodell: 8B in 4 Bit rund 5 GB VRAM, 14B rund 9 GB. Das ist der Posten, der eine GPU erzwingt.

Auf reiner CPU liegt die Gesamtlatenz einer Sprachantwort bei 5 bis 10 Sekunden, mit GPU bei 1,5 bis 3. Ab etwa einer Sekunde nehmen Nutzer an, das System sei kaputt. Deshalb: kleiner CPU-Server für alles, Modell per Schnittstelle von außen, und erst später die Frage nach eigener Rechenleistung.

Was schon da ist

Stand August 2026, darauf können wir sofort testen.

netcup VPS 500 G12, Standort Wien

  • 2 vCPU, 4 GB DDR5 ECC, 128 GB NVMe.
  • 5,22 Euro netto im Monat plus 0,50 Euro für IPv4. Zwölf Monate Laufzeit, vorausbezahlt.
  • Docker läuft schon darauf, ein weiteres Projekt liegt dort. Eine Domain fehlt noch.
  • Rechenzentrum Wien, angebunden über das Anexia-Backbone mit Peering am VIX, Strom aus Wasserkraft. Der Standort ist nachträglich nicht änderbar.

Was damit geht: ausprobieren. Ein Agent, gelegentliche Transkription mit einem kleinen Modell, Sprachausgabe. Das Sprachmodell kommt dabei über eine Schnittstelle von außen.

Wo es eng wird: Die Maschine liegt genau auf dem dokumentierten Minimum, nicht darüber. Sobald die Browser-Automation anspringt oder mehrere Dienste parallel laufen, ist der Speicher der Engpass, nicht die Kerne.

Der Stolperstein, der wie ein Softwarefehler aussieht

  • Exit Code 137 beim Aufsetzen ist kein Bug, sondern der Speicher-Killer des Kernels (128 plus Signal 9). Typischer Auslöser ist npm install, das den ganzen Abhängigkeitsbaum im Speicher aufbaut.
  • Der Fix umgeht das Problem ganz: das fertige Image ziehen statt selbst bauen. Wer nicht baut, kann auch nicht am Bauen scheitern. Falls doch gebaut werden muss: Auslagerungsdatei anlegen.

Der Stufenplan

Erst messen, dann aufrüsten. Jede Stufe kostet wenige Euro mehr.

  • Stufe 0, jetzt: VPS 500 G12, 2 Kerne, 4 GB, 5,22 Euro netto. Ausprobieren, Modell von außen.
  • Stufe 1: VPS 1000 G12, 4 Kerne, 8 GB, 8,71 Euro netto. Agent im Dauerbetrieb samt Browser, Transkription mit dem kleinen Modell, Datenbank daneben.
  • Stufe 2: Root-Server RS 1000 G12, 4 dedizierte Kerne, 8 GB, 10,75 Euro netto. Dasselbe, aber die Transkription wird planbar statt zufällig.
  • Stufe 3: RS 2000 G12, 8 dedizierte Kerne, 16 GB, 18,00 Euro netto. Größeres Transkriptionsmodell, mehrere Dienste, mehrere Nutzer.
  • Mit eigener GPU: Hetzner GEX44, 20 GB VRAM, 234 Euro netto plus 114 Euro Einrichtung. Erst nötig, wenn das Sprachmodell selbst laufen soll.

Der Sprung von Stufe 1 auf 2 kostet knapp zwei Euro und ist der wichtigste im Plan. Grund: Transkription ist Volllast über Minuten, nicht ein kurzer Ausschlag. Genau dieser Lastfall wird auf geteilten Kernen gedrosselt. netcup schreibt selbst, dass beim VPS die Rechenleistung nicht garantiert werden kann, beim Root-Server dagegen schon.

Beim Aufrüsten zu beachten

  • Upgrade läuft im Kundenpanel, kostet nichts extra, die Daten bleiben. Nach dem Neustart muss der zusätzliche Speicher von Hand eingebunden werden.
  • Kein Downgrade, kein Generationswechsel, keine Einzelkomponenten. Man kann also nicht nur den Speicher aufstocken.
  • Jedes Upgrade startet eine neue Mindestlaufzeit.
  • Offen: Ob der Weg vom VPS zum Root-Server als Upgrade läuft oder ein eigenes Produkt ist, das neu bestellt und umgezogen werden muss. Die Doku beschreibt Upgrades innerhalb einer Reihe und schweigt zum Wechsel. Vor einer Entscheidung beim Support fragen.

Warum Wien hier zählt

Für AllWispr und den Behörden-Ableger ist der Serverstandort ein Verkaufsargument, kein Detail. Bisher galt: österreichisches Hosting kostet ein Vielfaches, weil die heimischen Anbieter mit GPU bei 900 bis 2.200 Euro im Monat liegen.

Für alles ohne GPU stimmt das nicht. Verarbeitung in Österreich kostet denselben Zehner wie in Deutschland. Das ist in einer Präsentation ein anderer Satz als "wir könnten in Österreich hosten". Erst wenn ein eigenes Sprachmodell auf eigener Grafikkarte laufen soll, wird der Standort wieder teuer.

Do's and Don'tsAus Erfahrungsberichten von Leuten, die es gebaut haben

Modell und Server

  • Reasoning-Modus abschalten. Ein Entwickler berichtet von einem Modell, das im Denk-Modus fünfminütige innere Monologe produzierte statt zu antworten.
  • Das Modell im Speicher halten. Ollama entlädt nach fünf Minuten Leerlauf. Bei einem Assistenten, der stundenlang wartet, kostet die erste Frage dann die komplette Ladezeit. Der häufigste unsichtbare Latenzfehler.
  • Gesprächsverlauf hart begrenzen, drei bis fünf Nachrichten. Jeder zusätzliche Kontext kostet Zeit vor dem ersten Wort.
  • Streaming ist der größte Hebel, nicht rohe Rechenleistung. Home Assistant misst durch gestreamte Sprachausgabe einen Sprung von über fünf Sekunden auf etwa eine halbe.
  • Werkzeugaufrufe sind bei lokalen Modellen unzuverlässig, rund 80 Prozent gegenüber fast 100 in der Cloud. Eine Rückfallkette einplanen.

Audio und Hardware

  • Echounterdrückung ist Pflicht, nicht Kür. Ohne sie wird das Gerät taub, sobald es selbst spricht. Klassischer Fall: Der Wecker klingelt, man ruft "Stopp", nichts passiert.
  • Lauter machen hilft nicht gegen Rückkopplung. Die drei echten Wege sind: leiser, physisch entkoppeln, oder das Ausgangssignal rechnerisch abziehen.
  • PSRAM falsch konfiguriert bedeutet Bootschleife ohne Fehlermeldung. Und ohne PSRAM bricht der Speicher direkt nach dem Anlegen der Audiopuffer zusammen.
  • Mikrofon-Kanalwahl falsch gesetzt bedeutet Stille ohne Warnung.
  • Logging auf INFO, nicht DEBUG. DEBUG-Ausgaben verursachen Audioprobleme.
  • Aussetzer liegen meist am WLAN, nicht am Modell. Erst Puffer und Signalstärke prüfen, bevor man am Server sucht.

Gesprächsführung

  • Einfache Stimmerkennung wertet jedes Geräusch als Unterbrechung und zerhackt die Antwort mitten im Satz. Echtes Unterbrechen braucht eine Absichtserkennung, keine reine Lautstärkemessung.
  • Die Latenz versteckt sich in den Umschaltmomenten, nicht in Transkription oder Sprachausgabe. Dort zuerst suchen.
  • Ab etwa einer Sekunde Wartezeit nehmen Nutzer an, das System sei kaputt. Eine LED oder ein Display hilft enorm, weil sichtbares Feedback die Wartezeit überbrückt.

Wenn es je ein Produkt werden soll

  • Zum Ausprobieren gilt nichts davon. Ein selbst gebautes Gerät auf dem eigenen Schreibtisch braucht keine Zulassung. Das Folgende betrifft nur den Verkauf.
  • Ein vorzertifiziertes Funkmodul reicht nicht. Die CE-Konformität gilt dem fertigen Gerät, weil Gehäuse, Antennenlage und Platinenlayout die Abstrahlung verändern.
  • Keine Smart-Home-Steuerung einbauen. Der Cyber Resilience Act stuft "Smart home general purpose virtual assistants" höher ein, aber nur wenn das Gerät auch vernetzte Geräte steuert. Ein reines Diktier- und Notizgerät bleibt Standardprodukt. Vermutlich die günstigste Design-Entscheidung im ganzen Projekt.
  • Synthetische Sprachausgabe muss maschinenlesbar gekennzeichnet werden, seit August 2026 nach dem AI Act.
  • Lizenzen prüfen, bevor etwas eingebaut wird. Piper ist von MIT auf GPL gewechselt, die vortrainierten Modelle von openWakeWord sind ausdrücklich nicht kommerziell nutzbar.
Wenn du es selbst baustMikrofon-Array, Echounterdrückung, Gehäuseakustik, Fertigung

Mikrofone: die Toleranz ist die Hürde

Nicht der Preis entscheidet, sondern die Gleichheit der Teile.

  • Espressif fordert für ESP-SR: SNR mindestens 62 dB, besser über 64. Empfindlichkeit -26 dB bei 1 Pa. Frequenzgang ±3 dB von 50 Hz bis 16 kHz.
  • Im Array wird es eng: ±1 dB Empfindlichkeitstoleranz und maximal 10° Phasendifferenz. Daran scheitern Hobbyaufbauten. Praktisch heißt das: alle Mikrofone aus derselben Charge, gleiche Ausrichtung, gleiche akustische Wegstrecke. Nicht drei einzeln bestellte Breakout-Boards.
  • Konkreter Vorschlag: TDK T5838, PDM, 68 dBA SNR, 330 µA, 3,5 × 2,65 mm, Bottom-Port. 2,03 USD bei 10 Stück, gut lagernd. Alternative Infineon IM69D130 mit 69 dB, zieht aber viermal so viel Strom.
  • Vorsicht bei den Tutorial-Klassikern: Der INMP441, der in fast jedem ESP32-Tutorial steht, ist bei DigiKey als obsolet gelistet. Beim ICS-43434 widersprechen sich die Quellen. Vor dem Layout den Lifecycle-Status beim Distributor abfragen, nicht dem Tutorial-Konsens folgen.

Geometrie: zwei Regeln, die sich widersprechen

Räumliches Aliasing will kleinen Abstand, die Echounterdrückung will großen.

Die Grenzfrequenz ergibt sich aus 343 geteilt durch den doppelten Abstand. XMOS verlangt gleichzeitig rund 10 cm zwischen zwei Mikrofonen, damit bei tiefen Frequenzen überhaupt Phasendifferenz entsteht. Beide Hersteller nehmen deshalb bewusst Aliasing oberhalb etwa 2,6 kHz in Kauf. Für Sprache ist das der richtige Kompromiss, weil Grundfrequenz und erste Formanten darunter liegen.

  • Espressif, 2 Mikrofone: linear, Achse waagrecht, 4 bis 6,5 cm.
  • Espressif, 3 Mikrofone: Kreis, exakt 120°, gleicher Abstand.
  • XMOS, charakterisiert: linear 33 mm oder Quadrat 66 mm. Mehr als 100 mm ist nicht charakterisiert.

Der Haken, der die Architektur entscheidet

Hardware und Software sind hier nicht gleich weit.

Die Hardware kann acht Mikrofone, die Software verarbeitet zwei. Der ESP32-S3 liest per PDM bis zu vier Datenleitungen mit je zwei Mikrofonen ein. Espressifs Audio-Frontend macht daraus aber nur Zweikanal-Verarbeitung, die Echounterdrückung ist ausdrücklich auf zwei Mikrofone begrenzt und läuft nur bei 16 kHz. Mehr als zwei Mikrofone bringen mit ESP-SR nichts, außer du schreibst das Beamforming selbst.

Das stärkste Argument für einen externen DSP ist kein Meinungsbild, sondern ein Fakt: Das Home Assistant Voice PE ist selbst ein ESP32-S3-Gerät und hat trotzdem einen XMOS XU316 verbaut. Ein Team, das ESP-SR kennt und die Stückkosten drücken will, hat sich für den Extra-Chip entschieden.

  • ESP-SR reicht bei ein bis zwei Mikrofonen, 16 kHz, moderater Lautstärke und Weckwort-Betrieb. CPU-Last je nach Modus 7 bis 32 Prozent, rund 220 kB internes und 240 kB externes RAM für den ganzen Stapel.
  • Eigener DSP lohnt bei vier Mikrofonen mit echtem Beamforming oder wenn man reinreden will, während das Gerät spricht. XVF3800 mit fertiger Firmware 28 USD, der nackte XU316 6 bis 10 USD. Gleiches Silizium, die Differenz ist die Lizenz.

Das Referenzsignal, das man leicht vergisst

Die Echounterdrückung braucht das ausgegebene Signal als Vergleich.

Espressif löst das beim Korvo-2 so: das Signal wird über einen vierten Kanal desselben ADC (ES7210) analog wieder eingelesen, synchron mit den Mikrofonen, Abgriff am Codec-DAC. Eine rein digitale Kopie aus dem Ausgabepuffer funktioniert auch, erfasst aber weder Verstärkerkennlinie noch Gehäuse- und Temperaturdrift.

  • Bauteilwahl-Konsequenz: Ein MAX98357A, der übliche I2S-Verstärker in ESP32-Projekten, bietet keinen brauchbaren Abgriffspunkt. Wer Echounterdrückung will, nimmt Codec (ES8311) plus separaten ADC (ES7210) statt eines reinen I2S-Verstärkers.
  • Ich würde beide Abgriffe als Lötbrücke vorsehen, Codec-DAC und Verstärkerausgang. Kostet zwei Pads.
  • Harte Grenze: Der Schalldruck am Mikrofon darf 102 dB bei 1 kHz nicht überschreiten. Darüber sättigt das Mikrofon, und eine gesättigte Aufnahme kann keine Echounterdrückung mehr retten, weil die Information weg ist.

Gehäuse und Akustik

Hier steckt die Mechatronik, und hier scheitern die meisten Aufbauten.

  • Bohrung größer als 1 mm, Verhältnis Tiefe zu Durchmesser kleiner als 2 zu 1. Die Falle beim 3D-Druck: eine typische gedruckte Wand hat 2,5 bis 3 mm, bei 1 mm Bohrung ergibt das 3 zu 1 und der Kanal wird zum Helmholtz-Resonator mitten im Sprachband. Lösung: von innen ansenken, sodass am Austritt nur 1 mm Restmaterial steht.
  • Der Widerspruch dahinter: Espressif will 1 mm am Mikrofon, der Lautsprecherbau 4 bis 7 mm gegen Resonanzen. Beides stimmt, es sind zwei verschiedene Anforderungen. Also dicke Grundwand, lokal angesenkt.
  • Dichtung ist Pflicht, Silikonring oder Moosgummi, vollständig komprimiert, Durchmesser gleich dem Schallloch. Espressif will messbare 25 bis 30 dB Dämpfung. Undichte Dichtungen sind laut Bauteilherstellern eine der häufigsten Ursachen für Echo- und Rückkopplungsprobleme.
  • Mikrofone nicht auf dieselbe Platine wie den Lautsprecher, wegen Körperschall. Das erzwingt eine getrennte Mikrofonplatine per Flachbandkabel. Grund: die Echounterdrückung modelliert den Luftweg, Körperschall ist ein zweiter, viel kürzerer Pfad, den kein Algorithmus sauber wegbekommt.
  • Lautsprecher in eigener geschlossener Kammer, auf Gummitüllen, Mikrofonplatine gegenüber, dazwischen keine durchgehende starre Rippe. PETG statt PLA, weil PLA ab 50 bis 60 °C kriecht.
  • Antenne: kein Kupfer auf keiner Lage unter oder innerhalb 2 mm um den Antennenbereich, und 15 mm Abstand zu jedem Metallteil. In einem Metallgehäuse funktioniert die Platinenantenne praktisch nicht, dann die Modulvariante mit U.FL-Anschluss und externer Antenne nehmen.

Fertigung und die teuersten Anfängerfehler

Der erste Punkt kostet vier Mikrofone in fünf Sekunden.

Fertigung

  • Modul nehmen, nicht den nackten Chip. Das ESP32-S3-WROOM-1 hat Antenne, Quarz, Flash und Anpassnetzwerk integriert und FCC und CE bereits bestanden. Eigenes Hochfrequenz-Layout heißt eigene Zertifizierung.
  • Die eigene Platine lohnt bei den Mikrofonen, weil die Toleranzen mit Breakout-Boards und Kabeln nicht erreichbar sind.
  • JLCPCB: 5 Stück, 4 Lagen, 100 mal 100 mm, rund 33 USD, etwa 7 Tage. Bei Bestückung alle Teile aus dem LCSC-Katalog wählen, ein einziges Fremdteil schiebt den Auftrag in den teureren Tarif. Alternative ohne Zollthema: Aisler in Deutschland, ab 3 Stück, teurer und langsamer.

Die fünf teuersten Fehler

  • Platine nach dem Löten gewaschen. MEMS-Mikrofone haben eine offene Schallöffnung. Jedes Reinigungsmittel und jedes Ultraschallbad zerstört sie. Wer aus Gewohnheit mit Isopropanol drübergeht, hat gerade vier Mikrofone entsorgt.
  • Druckluft ins Mikrofonloch. Maximal 0,3 mPa, Düse mindestens 2 mm, Abstand über 50 mm, unter 5 Sekunden, niemals ansaugen.
  • Sofort nach dem Löten gemessen. Nach dem Reflow mindestens drei Stunden bei Raumtemperatur ruhen lassen. Wer vorher misst, wirft eventuell intakte Teile weg. Und maximal drei Reflow-Zyklen.
  • PCB-Schallloch durchkontaktiert oder unter 0,5 mm. Dann läuft beim Reflow Lötpaste hinein.
  • Kein Referenzabgriff vorgesehen. Lässt sich nachträglich nur mit fliegenden Drähten reparieren.

Zum Abschauen und die Stromfrage

  • Home Assistant Voice PE, das vollständigste offene Design: KiCad-Projekt mit Schaltplan und Layout unter CERN-OHL-P v2, also permissiv und kommerziell nutzbar. Gehäuse-STL auf Printables. Bestückung laut Teardown: ESP32-S3 mit 16 MB Flash und 8 MB PSRAM, XMOS XU316, TI TLV320AIC3204 Codec. Die Mikrofonmodelle nennt der Teardown nicht, die müsste man aus der Stückliste im Repo ziehen.
  • Espressif Korvo-2: vollständiger Schaltplan als PDF, mit ES7210, ES8311, NS4150 und genau dem Echo-Referenzabgriff.
  • Strom: Netzbetrieb, 5 V mit 2 A. Das Voice PE zieht rund 0,5 W im Leerlauf und 1,5 bis 2 W aktiv, die 2 A decken die WLAN-Spitzen. Akkubetrieb ist für ein dauerhaft lauschendes Gerät nicht sinnvoll, weil WLAN verbunden und die Weckwort-Erkennung dauerhaft laufen muss, also Deep Sleep als einziger echter Sparhebel wegfällt. Sinnvoll wird Akku nur mit Taste statt Weckwort. Dann bestimmt das aber die Bedienlogik, nicht umgekehrt.

Fragen an dich

  • Hast du eines der Kits schon in der Hand gehabt? Vor allem interessiert mich, wie weit das Mikrofon in der Praxis trägt.
  • Hast du Erfahrung mit dem chinesischen Firmware-Projekt, oder wäre dir der Home-Assistant-Weg lieber?
  • Wenn du beim Aufbau mitmachen willst: Woran hättest du am meisten Spaß, Gerät und Firmware oder Server und Modell?

Kurz gesagt: machbar, und billiger als gedacht

Die Hardware kostet weniger als ein Abendessen. Der Aufwand steckt im deutschen Weckwort und im Server. Beides lösbar, aber beides sollte man kennen, bevor man anfängt.